Samstag, 10. Februar 2007
Tagesanbruch
"Die Sonne. Was? Geht auf?", denkt ER und blinzelt voller Gier, doch auch noch schüchtern erstem Lichterglanze zu, dem ersten Strahl seit endlos währ'nder Zeit vergang'ner sonnenloser Tage. "Ach ja ...", daß es das gibt fällt ihm gerade wieder ein, das muß er nun zuerst begreifen, keine Zeit den Sonnenschein auf bleicher Haut zu spüren. Je höher sich der Feuerball am Horizont erhebt, so nährt sich auch ein neuer Glaube, daß das Licht in seine Welt zurückgekommen, fast herangeschlichen ist. Da merkt er schon, daß nun, was Sommertage immer fordern, der Abschied von der Dunkelheit begangen werden muß. Die strahlend schöne Finsternis, die er zu lieben lernte, als die Sonne, jene Hure, ihn das letzte Mal verließ. So brennt es sich durch den Verstand, das Licht, und trifft ihn mitten in sein Herz, der Degen einer schrecklichen Geliebten, sehnsuchtsvoll doch grimmig fordernd, was ihr Eigen ist. Noch röchelt er verwegen vor sich hin, der Held, das Bild der Dunkelheit in den lebendigen Gedanken, doch ranken sich die ersten Blitze efeugleich und unerbittlich durch die Mauer des Verstands. Zerbricht der letzte Schild vor einem kindlich reinen, strangulierten Herzen, zerbrechen auch die Schmerzen aller ewigen Verluste, die auf das Rad des Schicksals sind gespannt. Da streckt sich schon die Hand, noch vor dem off'nen Aug', dem Kusse prallen Sonnenlichts entgegen. "Von Wegen!" meldet sich noch der Verstand, doch klingt nur leise wie aus einem Traume her, und schwer wiegt schon der Liebe Gold in einem auferstand'nen Herzen.
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