Freitag, 16. Februar 2007

Wir ...

Die Stille liegt verträumt im Raum und zwischen unser beider Augen. Du bist mir nah und siehst mich an, mein Auge will an deinem Blicke saugen, der sich in gleichem Maß nach mir verzehrt; noch nie hab' ich so sehr begehrt, was mir bereits gegeben war. So liegst du da, den sanften Kerzenschein auf deiner Haut, und Schattenspiele flackern dort, als gingen sie mir schwer verliebt zu Händen. Doch stirbt das Licht, ich muss die Sicht beenden: die Finsternis umarmt uns, du bist fort.

Für den Moment verlassen sterb' ich hin, ich kann nichts seh'n und deshalb nichts mehr fassen. Da formt sich Eins, aus zwei getrennten Massen; nun seh' ich's nicht, ich spür', dein Herz ist meins. Im schwarzen Ozean halt ich dich fest und kann mich selbst in ihm nicht mehr verlieren, die Welt umher hört auf zu existieren, die Zeit hat einen großen Kreis gemacht. Zwei Liebende entschlafen in die Nacht, und nichts mehr ist, an dem sie noch erfrieren.

Samstag, 10. Februar 2007

Tagesanbruch

"Die Sonne. Was? Geht auf?", denkt ER und blinzelt voller Gier, doch auch noch schüchtern erstem Lichterglanze zu, dem ersten Strahl seit endlos währ'nder Zeit vergang'ner sonnenloser Tage. "Ach ja ...", daß es das gibt fällt ihm gerade wieder ein, das muß er nun zuerst begreifen, keine Zeit den Sonnenschein auf bleicher Haut zu spüren. Je höher sich der Feuerball am Horizont erhebt, so nährt sich auch ein neuer Glaube, daß das Licht in seine Welt zurückgekommen, fast herangeschlichen ist. Da merkt er schon, daß nun, was Sommertage immer fordern, der Abschied von der Dunkelheit begangen werden muß. Die strahlend schöne Finsternis, die er zu lieben lernte, als die Sonne, jene Hure, ihn das letzte Mal verließ. So brennt es sich durch den Verstand, das Licht, und trifft ihn mitten in sein Herz, der Degen einer schrecklichen Geliebten, sehnsuchtsvoll doch grimmig fordernd, was ihr Eigen ist. Noch röchelt er verwegen vor sich hin, der Held, das Bild der Dunkelheit in den lebendigen Gedanken, doch ranken sich die ersten Blitze efeugleich und unerbittlich durch die Mauer des Verstands. Zerbricht der letzte Schild vor einem kindlich reinen, strangulierten Herzen, zerbrechen auch die Schmerzen aller ewigen Verluste, die auf das Rad des Schicksals sind gespannt. Da streckt sich schon die Hand, noch vor dem off'nen Aug', dem Kusse prallen Sonnenlichts entgegen. "Von Wegen!" meldet sich noch der Verstand, doch klingt nur leise wie aus einem Traume her, und schwer wiegt schon der Liebe Gold in einem auferstand'nen Herzen.